…und außer dem Rollsport?
Carve Diem !
Auch Skifahren steht bei mir unter dem Motto: „Sports-Diversity“!
Meine Gleitsport-Philosophie lautet „all you can ski“! Skisport und insbesondere Carving kann man schließlich nicht nur auf Schnee im Winter betreiben – Alpin-(Schnee-)ski, Grasski und Wasserski ergänzen sich bei mir saisonübergreifend zu …Ganzjahres-Ski ;-)! Auch auf Sand bin ich schon mit meinem Ski runter gewedelt.
Dabei bieten Wasserski und Alpinski jeweils noch viele Varianten, die die Diversität dieser Sportarten weiter erhöhen: im Schnee gibt’s neben den Doppellatten auch Monoski, Skwal und Microboard, auf dem Wasser neben den Comboski den Slalom-(Mono-)ski, Trickski und Teller.
Mein Motto beim Gleiten lautet „Carve diem!“ und mein Foto-Potpourri zeigt die Vielfalt des Carvings, wie ich es praktiziere:
Weitere Infos mit Bildern zu diesen Aktivitäten und Geräten gibt‘s auf der Seite eines Freundes – sehr übersichtlich: links Schnee und rechts Wasser, oben Inline-Stand der Füße und unten paralleler Stand.
Aus dieser Vielfalt ergibt sich ein genereller Gedanke zur Erfahrung auf Ski (aufs Gendern wird hierbei verzichtet, es gilt gleichermaßen für Skifahrerinnen):
Der erfahrene Skifahrer,
das ist ein Prädikat, mit dem sich viele ambitionierte Brettl-Sportler gerne schmücken, doch wie definiert sich der eigentlich, der „erfahrene Skifahrer“? Langt’s, wenn man nur sicher eine rote Skipiste runterkommt, oder zählen da vielleicht die Ausübungsjahre …oder braucht’s für dieses Attribut etwa eine verbriefte Qualifikation wie den staatlich geprüften Skilehrer? Und was sollte er denn alles so draufhaben – Oldschool wie parallelen Kurzschwung – also das klassische Wedeln -, Powdern und Buckelpisten rocken, …und auch Newschool wie anguliertes Carving, stockloses Body-Carving per Inklination und eventuell noch Freestyle-Elemente? Und überhaupt… reden wir nur vom alpinen Skisport oder gibt’s da noch mehr, was einen Skifahrer an Erfahrung gewinnen läßt?
Betrachtet man die ganze Bandbreite der Aktivitäten auf Skiern, so findet man neben der dominanten Variante auf Schnee auch noch die auf anderen Untergründen. Um mal am Berg zu bleiben: Grasski ist das 1:1-Pendant zur winterlichen Variante und hat das Downhill-Carving sogar erfunden – gut 20 Jahre vor dem Schneeski-Zirkus. Und nochmal knapp 40 Jahre vorher wurde bereits auf dem Wasser gecarvt: beim Slalom um die Bojen ist dieser Carving-Prozess seit jeher die alternativlose Technik auf dem Wasserski. Da beide Sommer-Skisportarten kein Schwingen oder Driften dulden, bieten sie dem Sportler die Gelegenheit, die Carving-Technik per Zwangsanwendung zu optimieren und zu verinnerlichen – zudem verlängern sie die Ski-Saison um die schneefreie Zeit des Jahres. Daß man auch auf Sandpisten mit Ski abfahren kann, sei nur am Rande erwähnt – und nichtsdestotrotz ist auch das eine ganz spezielle Ski-Disziplin, die den Erfahrungsschatz eines Skifahrers bereichert… Stichwort: Gleitwiderstand!
Da höre ich schon die Stimmen, die darauf bestehen, die Kirche im Dorf und den Ski auf dem Schnee zu lassen. Soso, …aber auch da sind die Doppellatten nicht der Weis(s)heit letzter Schluß – das umfangreiche Erfahrungspotenzial auf Schnee geht weit darüber hinaus: man kann z.B. mit Monoski und Skwal seine Erfahrung auch im Winter, über die Breitensport-Aktivitäten hinaus, um die gleitenden Prozesse auf einspuriger Hardware ergänzen. Freilich ist einspuriges Fahren nicht unbedingt was für Jedermann (obwohl so gut wie Jeder einst auf dem Fahrrad gelernt hat, daß nach dem Entfernen der Stützräder und anfänglichen Umplumsern sowas mit Übung durchaus klappen kann), aber wer sich „erfahrender Skifahrer“ nennt, der sollte vor solchen Herausforderungen nicht zurückschrecken. Umso mehr, als daß jede auch noch so nischige Skivariante nicht nur die Erfahrung hebt, sondern auch die Flexibilität sowie das Körpergefühl und damit die „Software“, also die eigene Prozess-Performance, merklich verbessert. Schließlich sind da dann noch die non-downhill-Varianten wie Aufstieg auf Tourenski und Ski-Langlauf, die eine völlig andere Philosophie des Gleitens bedienen mit ganz eigenen Bewegungsmustern – aber auch die gehören zu den Schnee-Skisportarten und erweitern somit den diesbezüglichen Horizont der Skifahrer mit Erfahrungs-Ehrgeiz.
Fazit: umfangreiche ErFAHRung im Skisport ist demnach die individuelle Konsequenz aus saisonübergreifender, vorbehaltloser Neugier und gesundem Ehrgeiz, auch Ski-Randsportarten zumindest mal auszuprobieren und die jeweiligen Eigenheiten zu erleben, aber auch Parallelen zu Bekanntem zu erkennen und beides mit den eigenen Ansprüchen an bevorzugte Bewegungsabläufe abzugleichen. Das Motto „nix muß, alles kann“ paßt hier super, denn der „kann“-Bereich ist viel weitläufiger, als man oft meint und bietet nicht selten ungeahnte „oha“-, „uuiii“- und „booohh“-Überraschungen… das weiß ich aus Erfahrung!
How dare I 😉 – wie kann ich’s wagen, … die Carving-Technik vom Schnee aufs Wasser und aufs Gras herüberzuleiten?! Aber… es ist genau andersrum: Als Wasserski in den 20ern und Grasski in den 60ern des letzten Jahrhunderts erfunden wurden, wurde von Anfang an jeder Richtungswechsel sauber geschnitten über Kante ausgeführt, weil diese Untergründe weder ein Schwingen noch ein kontrollierbares Driften erlauben – da wurde also längst schon gecarvt, bevor der Schnee-Skizirkus überhaupt eine Ahnung davon hatte. Der hat sich diese Technik erst Ende der 80er abgeguckt (… wie übrigens ein paar Jahre vorher schon den V-Stil beim Springen, den die Schanzen-Adler auf dem Wasser seit Mitte des 20. Jahrhunderts praktizieren) und zwar erst mal für das damals boomende, neuartig geformte Snowboard – was dann bald den Impuls für die Skihersteller gab, dieses neue Kurvengleiten auf Doppellatten ebenfalls erleben zu können. So wurden alte Ideen und Konzepte verschiedener europäischer Erfinder von taillierten Skiern ausgegraben, die vormals mangels passender Fahrtechnik und letztlich Ablehnung durch die Aktiven und die Hersteller wieder verworfen wurden. Auf die daraus weiterentwickelte Hardware wurden dann die über die Anwendungszeit optimierten Bewegungsabläufe aus Wasserski und Grasski adaptiert… und so funktionierte es endlich! In die Lehrbücher fand diese neue Technik dann vorerst als „Temposchwünge mit mittleren und großen Radien“ Einzug – als Kontrast zu damals angesagten Kurzschwung-Techniken wie Wedeln oder Jetten –, bevor der Begriff „Carving“ zu Vermarktungszwecken des vermeintlichen Novums kreiert wurde. Erfunden hat die Wintersport-Industrie somit nur die geeignete Hardware für den Prozess auf Schnee, nicht aber den Prozess selbst. Der Schneeski-Zirkus stellt zwar hierzulande Grasski und Wasserski vollkommen in den Schatten, hinkt aber hinsichtlich Carving-Performance im Verhältnis deutlich hinterher, denn wer auf Grasski oder Wasserski ansprechend und sturzfrei Kurven fahren will, der muß Carving als Prozess vollumfänglich verstanden haben und präzise umsetzen – das kriegt bei den Schnee-„Carvern“ nur ein geringer Anteil hin, denn der Löwenanteil nutzt früher oder später im Turn die bequeme Option, die nur der Schnee bietet: Rutschen… über Kante! Die Skisportart ist ohnehin für die Zuordnung des Begriffes Carving nicht entscheidend, sondern die Anwendbarkeit des Prozesses ist relevant und die Geräte müssen das Carven an den Untergrund angepasst unterstützen: Das geschieht im Schnee per Taillierung und Flex am Alpinski, am Alpin-Monoski, Snowboard und Skwal, auf Wasser mittels gebogenem Vorderski am Slalom-Monoski und auf Gras durch die leicht bauchige Unterseite des Grasski-Rahmens, auf dem die „Raupe“ mit den Kanten-Elementen läuft. Die adäquate Hardware ist jedoch nur die halbe Miete, auch – und vor allem – die „Software“ muß passen: Modernes Carving als Bewegungs-Prozess heißt, mit eben solcher Geräte-Unterstützung einen Turn per Vor- und Schräglage in Antizipation über den Vorderski einzusteuern und mit der dadurch aufgestellten Kante über die gesamte Kurve in der eingefrästen Furche bzw. Spur zu bleiben… ohne mit dem Heck auszubrechen und ohne am Kurvenende zu schwingen oder zu driften. Ob per Angulation („Hüftknick“) oder Inklination („über Lage“ = gestreckte Schräglage; stocklos!) ist eine Frage des Ausübungs-Levels und …der persönlichen Vorliebe.
Carving ist mehr als nur eine Kurventechnik – es ist eine Sportphilosophie und ein Lebensgefühl, welches man Sommer wie Winter in vielen Varianten genießen kann!
Links mit relevanten Informationen:
https://www.skialpin-floss.de/index.php/organisation-der-abteilung/grasski-alias1/31-organisation/grasski/261-allgemeines-ueber-den-grasskisport („GrasSki ist immer Carving“)
https://www.blick.ch/sport/uebrigens-die-sonntagsblick-kolumne-gras-ski-als-antwort-auf-den-schneemangel-id18549245.html („Rutschphasen gibt es nicht. Von daher waren die Grasskifahrer schon immer im Carving-Stil unterwegs“)
https://taz.de/Auf-der-Suche-nach-Berlins-randigster-Randsportart/!1229776/ („… die Grasfahrer einen Trend vorweggenommen haben, der dann auf den Gletschern vehement zum Durchbruch kam: das Carving. Mit dem Grasski wird nicht gerutscht. Man steht brutal auf der Kante. Arbeitet mit dem Oberkörper. Man carvt also wie im Lehrbuch.“)
https://www.heute.at/s/gras-ski-im-wienerwald-beliebt-bei-alt-und-jung-30059189 („Man kann Gras-Skifahren vergleichen mit extremem Carving…“)